BAfF-Tagung 2016
BAfF-Tagung 2016

BAfF-Tagung 2016 in Jena

Vom 6.-8.11.16 fand in Jena die Jahrestagung der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) mit dem Titel „Durch die Wand im Kopf - Tabus in der psychosozialen Arbeit mit Geflüchteten“ statt. Die Veranstaltung hatte zum Ziel, einzelne Themen dieser komplexen Fragestellung herauszugreifen und über Tabus als soziale Normen in der Arbeit mit Geflüchteten zu diskutieren. Gleichzeitig wurden Handlungsoptionen zum Umgang mit Tabus in der psychos ozialen Beratung angesprochen und aktuelle Entwicklungen zu Themen von Flucht und Asyl aufgegriffen.

Eine Vielzahl von Vorträgen und Workshops bot den TeilnehmerInnen einen umfassenden Einblick zum Thema, genügend Raum zur Reflektion und Austausch mit anderen AkteurInnen des Arbeitsfelds. So referierten die geladenen ExpertInnen unter anderem über die Täter-Opfer-Perspektive in der psychotherapeutischen Arbeit mit Geflüchteten, die aktuelle Situation in Nordsyrien und die Seenotrettung von Flüchtling auf dem Mittelmeer. Aber auch rassismuskritisches Denken und Handeln in der Psychologie oder sexualisierte Gewalt an Männern wurde in den Vorträgen angesprochen und zur Debatte gestellt. Die Podiumsdikussion widmete sich der Frage: „Wie politisch können/sollen/müssen die Psychosozialen Zentren sein?“ Zu Gast waren hier Heinz-Jochen Zenker (BAfF-Vorstand und Vorstandsvorsitzender Ärzte der Welt), Miloud Lahmar Cherif (The VOICE Refugee Forum), Heike Werner (Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie), Barbara Wolf (Leitung Sozialamt Jena) und Manfred Makowitzki (Organisatorischer Leiter des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm).

Im Rahmen der 20. Jahrestagung des BAfF e.V. verfassten und verabschiedeten die TeilnehmerInnen eine Resolution mit dem Titel „Die Menschenwürde wird migrationspolitisch relativiert“, welche aktuelle Entwicklungen in der Flüchtlingspolitik und Asylgesetzgebung anprangert. Im Zentrum steht die Kritik am neuen Gesetzentwurf zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht. So werden in diesem Zusammenhang der erschwerte Zugang in die EU und die Aufnahmeregelungen innerhalb der EU (Dublin-IV-Verfahren) verurteilt. Auch das Fehlen von Verfahrensgarantien für besonders Schutzbedürftige, die Klassifizierung von Flüchtlingen nach „Bleibeperspektive“, die potentielle Abschiebung von kranken und traumatisierten Geflüchteten sowie die Einschränkung der UN-Kinderrechtskonvention sind nicht hinnehmbar. In der Resolution heißt es: Opfer von Menschenrechtsverletzungen dürfen hier nicht wieder zu Opfern von struktureller Gewalt werden.

Der Wortlaut der Resolution ist nachzulesen unter:

http://www.baff-zentren.org/news/die-menschenwuerde-wird-migrationspolitisch-relativiert/

Das Programm der Tagung ist einzusehen unter:

http://www.refugio-thueringen.de/cms/images/pdf/flyer_tagung_2016.pdf

Die Tagung wurde gefördert durch die Stadt Jena, die Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge des Freistaats Thüringen, die Evangelische Kirche Mitteldeutschland, die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, die UNO-Flüchtlingshilfe, das Kassablanca Jena und das Referat für Menschenrechte des Stura der Uni Jena.

Auftakt der Veranstaltung in der Rathausdiele in Jena (Foto: Katayoon Henkel)

 

(Foto: Katayoon Henkel)


Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Foto: Katayoon Henkel)

 

„Durch die Wand im Kopf – Tabus in der psychosozialen Arbeit mit Geflüchteten“

Liebe KollegInnen, FreundInnen und Interessierte,

refugio thüringen e.V., Träger des einzigen Behandlungs- und Beratungszentrums für traumatisierte Flüchtlinge in Thüringen, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Als angemessene Würdigung dieses Geburtstages haben wir uns entschlossen, die Jahrestagung der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer BAfF e.V. in Jena auszurichten.

Der Titel der Jahrestagung lautet:

"Durch die Wand im Kopf - Tabus in der psychosozialen Arbeit mit Geflüchteten".

Die Idee zu diesem Thema ist aus unserer alltäglichen Arbeit erwachsen. Eine Kollegin beobachtete, dass sexualisierter Gewalt bei ihren männlichen Klienten immer häufiger vorkam. Es dauert teilweise Monate bis Jahre, bis sie über das Erlebte sprechen können. Sie glauben, sie müssen stark sein, haben häufig Angst stigmatisiert zu werden. Wenn sie das erste Mal kommen, sagen einige, sie hätten seltsame Kopfschmerzen. Die Mitarbeiterin unseres Zentrums begann zu recherchieren und musste feststellen, dass es nur wenig Literatur oder Studien über Männer als Opfer sexueller Gewalt gibt. Teamintern begannen wir zu diskutieren:

Was verstehen wir unter Tabus? Wem oder was dienen sie? Können bzw. müssen sie überwunden werden und welche Folgen hat ein Tabubruch? Was passiert, wenn traumatische Erfahrungen soziale und gesellschaftliche Tabus berühren und erlittene Verletzungen dadurch unsagbar werden? Wie ist Traumaverarbeitung in diesem Kontext möglich?

Diese Fragen waren für uns in der Themenfindung leitend.

Aus diesen komplexen Fragestellungen werden wir auf der Tagung einzelne Themen herausgreifen und diese diskutieren. Wir werden Tabus als soziale Normen aussprechen, hinterfragen und kritisieren. Gleichzeitig werden wir Handlungsoptionen zum Umgang vermitteln.

Hier können Sie das Tagungsprogramm herunterladen. Auch das Anmeldeformular sowie das Anmeldeformular für Übernachtungen können Sie hier finden. Bitte füllen Sie es bei Interesse an einer Teilnahme an der Tagung aus und lassen Sie es uns bis zum 30.09.2016 zukommen:

Informationsblatt Übernachtungsmöglichkeiten:

http://www.refugio-thueringen.de/cms/images/pdf/informationsblatt_uebernachtungsmoeglichkeiten.pdf