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Sexualisierte Gewalt an Jungen* und Männern* 

Haben Sie bereits sexualisierte Gewalt erfahren?

Sexualisierte Gewalt an Jungen* und Männern*

Gewalt gegen Mädchen und Frauen, insbesondere auch sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist ein massives, globales Problem, welches durch NGOs, Aktivist*innen, internationale Konventionen usw. aufgegriffen wird. Es gibt viele nationale und internationale Programme um sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen zu verhindern bzw. zur Unterstützung von Betroffenen.

 

Gewalt gegen Männer jedoch ist weiterhin ein weitgehend unsichtbares Phänomen. 

 

Lara Stemple hat in den 2000er als Juristin international auf das weit verbreitete Problem von sexualisierter Gewalt gegen Jungen und Männern als Kriegswaffe aufmerksam gemacht und als eine der ersten kritisiert, dass sich dies jedoch weder in Verträgen und Resolutionen der Vereinten Nationen wiederfindet, noch sich Menschenrechtsinstrumente mit sexueller Gewalt gegen Männer befassen.
Lara Stemple. Male Rape und Human Rights, 60 Hastings L.J. 605 (2009)

 

Hans-Joachim Lenz ist Mitbegründer der kritischen Männerforschung in Deutschland und hat bereits in den 90er Jahren zu männlichen Opfererfahrungen publiziert.
Hans-Joachim Lenz (1996). Spirale der Gewalt. Jungen und Männer als Opfer von Gewalt. Morgenbuch, Berlin.
Hans-Joachim Lenz (2017). Sexualisierte Gewalt gegen männliche Flüchtlinge und Migranten – Skizze einer ersten Annäherung an ein verdecktes Problemfeld. In: M. Franz, A. Karger (Hg.). Männliche Sexualität und Bindung.

Sexualisierte Gewalt als Mittel der Kriegsführung. Positionspapier Misereor 2016

 

Informationen der WHO zum weltweiten Problem von sexueller Gewalt und deren Einfluss auf körperliche und psychische Gesundheit finden Sie auf der WHO Homepage.
Im World report on violence and health, 2002. Chapter 6  wird detailliert auf die Thematik eingegangen.

 

In seinem Review-Artikel beschreibt Robert O’Mochain noch 2018, dass auch weiterhin sexuelle Gewalt an Männern im kriegerischen Auseinandersetzungen nur unzureichend wahrgenommen wird:
Robert O’Mochain (2018): Male Directed Sexual Violence in Conflict: A Challenge for Gender Studies.

 

Kürzlich ist nun eine zunehmende Bewusstwerdung über das verbreitete Problem von sexueller Gewalt auch an Jungen und Männern zu verzeichnen, was sich in ausführlicheren und differenzierten Berichten zur Thematik widerspiegelt:

Human Rights Watch veröffentlichte 2020 einen sehr umfangreichen Bericht über sexuelle Gewalt an Jungen, Männern und Transfrauen in Syrien:
Report von Human Rights Watch (2020) “They Treated Us in Monstrous Ways” Sexual Violence Against Men, Boys, and Transgender Women in the Syrian Conflict

Save the children dokumentiert in einem Bericht von 2021 über sexuelle Gewalt an Kinder – auch an Jungen – als Kriegsstrategie.

Im deutschsprachigen Raum forscht aktuell die Forschungsgruppe von Yuriy Nesterko und Heide Glaesmer (Universität Leipzig) zu diesem Thema:
Nesterko Y, Glaesmer H (2020). Sexualisierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg und Vertreibung. Eine Annäherung aus psychologischer Perspektive. Trauma & Gewalt, 14(3), 182-196.

 

Einen umfassenden Überblick zum Thema Sexualsierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg liefert das Buch von Élise Féron:
Élise Féron (2018): Wartime Sexual Violence against Men: Masculinities and Power in Conflict Zones (auch als e-book: https://de.b-ok.as/book/3704698/7f4615 )

In ihrem beklemmenden Dokumentarfilm zeigt Cécile Allegra die Folgen von Vergewaltigung Männern und der damit oft verbundenen Sprachlosigkeit der Betroffenen:
Libyen – Vergewaltigung als Waffe. Dokumentarfilm von Cécile Allegra, Frankreich 2018 | arte

Fachpersonal

Recht

Asylverfahren und sexualisierte Gewalt (Rechte, Schutzkonzepte), Politische Einflussnahme, Menschenrechte, gerichtliche Verfolgung der Täter, Bezug zu Istanbulprotokoll und Antifolterkonvention:
http://www.istanbulprotocol.info/index.php/de/
https://www.antifolterkonvention.de/

 

Aktuelle Forschung zum Thema

Universitätsklinikum Leipzig: Sexualisierte Gewalt gegen Männer im Kontext von Krieg und Vertreibung. Projektleitung: Dr. Yuriy Nesterko.

Psychologische Testverfahren

ETI (Essener Trauma-Inventar) – die Event Scale erfragt u.a. nach sexuellen Übergriffen innerhalb der Familie und durch Fremde, sowohl im Kindes- und Jugendalter, als auch im Erwachsenenalter. Da die Fragen nach sexuellen Traumata eingebettet sind in eine ganze Reihe von traumatischen Erlebnissen, erhöht sich unserer Erfahrung nach die Offenheit auch sexuelle Gewalterfahrungen anzugeben.
Es gibt vom ETI auch Übersetzungen in folgenden Sprachen: Arabisch, Chinesisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Persisch, Polnisch, Russisch, Serbokroatisch, Spanisch, Türkisch und Weißrussisch.
https://www.testzentrale.de/shop/essener-trauma-inventar.html

Krahé & Berger (2013). Sexual Aggression and Victimization Scale (SAV-S)
Der Fragebogen ist für Forschungszwecke konzipiert, erhältlich in aktuell zehn Sprachen. Es erfasst die vier Dimensionen: the coercive strategies used; the sexual acts involved; the relationship between victim and perpetrator; and the genders involved and their roles. Auf Nachfrage ist der Test bei Frau Prof. Barbara Krahè, Universität Potsdam erhältlich.
https://www.uni-potsdam.de/de/sozialpsychologie/mitarbeiterinnen/prof-dr-barbara-krahe

Nicht allen Betroffenen ist bewusst, dass bspw. Malträtierung der Genitalien (z.B. Schläge, Strom) und Erniedrigung durch erzwungene Nacktheit auch Formen von sexueller Gewalt sind. Es empfiehlt sich deshalb im Therapiegespräch bei entsprechenden Hinweisen (z.B. Klient berichtet über Gefangenschaft) konkret auch nach solchen Erfahrungen zu fragen.

Unser Plakat Sexualisierte Gewalt – auch Jungen & Männer können Opfer sein 

Weitere Informationen

Literatur / Filme / Presseberichte zum Thema:

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