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Trauma & PTBS

Ich habe meine Füße auf zwei Planeten
Wenn sie sich in Bewegung setzen
Zerren sie mich mit
Ich falle…

 

Ich trage zwei Welten in mir
Aber keine ist ganz;
Sie bluten ständig
Die Grenze verläuft mitten durch meine Zunge
Ich rüttele daran wie ein Häftling
Das Spiel an einer Wunde

Zafer Şenocak, 1985, Dichter türkischer Herkunft,

lebt in Deutschland

Trauma

Extrem stressvolle Ereignisse, die zu einer psychischen Erkrankung führen können, werden als traumatisch bezeichnet, wenn sie mit einer Bedrohung von Leben oder körperlicher Unversehrtheit und einer ausgeprägten körperlichen Alarmreaktion beim Opfer einhergehen. Dabei muss ein solches Ereignis nicht auf die Person direkt einwirken, sondern kann auch infolge von Zeug*innenschaft eintreten.

Traumatische Ereignisse werden unterschieden in von Menschen verursachte Katastrophen (z.B. Teilnehmer*innen oder Opfer von Kampfhandlungen, Vergewaltigung, Folter) und Naturkatastrophen (z.B. Tsunami, Erdbeben). 

Ein Ereignis wird dabei nur dann als „traumatisch“ betrachtet, wenn sich der Organismus während des Erlebens in einem extremen Alarmzustand befindet und Gefühle von panischer Angst, Entsetzen oder Hilflosigkeit erlebt werden.

Im Zentrum des psychischen Traumas steht Entmenschlichung. Folge ist das Fehlen von vielem, was den Menschen zum Menschen macht: Kommunikation, autobiografische Erinnerung, Würde. Traumata dauern fort in die Gegenwart.Grund dafür ist eine traumabedingt veränderte Kodierung des Erlebten im Gedächtnis.

Nicht jede Person, die ein traumatisches Ereignis erlebt, entwickelt eine chronische psychische Erkrankung. Etwa ein Viertel aller Personen mit traumatischen Erfahrungen weisen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auf – als wohlbekannteste Traumafolgestörung. Je mehr traumatische Momente erlebt werden, desto höher ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine PTBS zu entwickeln. Symptome, die sechs bis acht Monate nach einer Traumatisierung noch bestehen, bilden sich selten von allein zurück, sondern bedürfen psychotherapeutischer Behandlung.
 

PTBS

Die Posttraumatische Belastungsstörung (engl.: PTSD/ post-traumatic stress disorder) ist eine psychische Erkrankung in Folge einer Traumatisierung. Betroffene leiden unter dem Erinnerungsdruck, den ein in der Vergangenheit liegendes traumatisches Ereignis verursacht. Zentrale Bestandteile des Erlebens, welche das Vorliegen einer PTBS typischerweise kennzeichnen, sind:

  • Das unwillentliche Wiedererleben (Intrusionen) der Vergangenheit wird zur schrecklichen Gegenwart, ohne angemessenen sprachlichen Ausdruck zu finden. Auch der Körper reagiert während des Erinnerns mit einer Stressreaktion (Herzschlag, Schmerzen), welche dem Erleben während des traumatischen Ereignisses ähnelt. Die Erinnerungen kommen sowohl in der Nacht (Alpträume) als auch tagsüber fortwährend wieder und lassen sich nicht ignorieren, obwohl die Person sich nicht erinnern möchte. Bruchstücke des Erlebten drängen immer wieder ins Gedächtnis, ohne der Vergangenheit und einem bestimmten Kontext zugeordnet werden zu können. Manchmal geht dies so weit, dass der*die Betroffene nicht realisiert, dass er*sie sich an einem sicheren Ort befindet und glaubt, dass er*sie zurück in der damaligen Situation ist. Das Wiedererleben wird von sogenannten Hinweisreizen (Trigger) hervorgerufen, die an ein Detail des Traumas erinnern, was u.a. auf neurobiologische Prozesse während des traumatischen Ereignisses zurückzuführen ist. 

  • Vermeidungsverhalten und chronische körperliche Übererregung (Engl.: hyperarousal):  Betroffene versuchen verständlicherweise, die schmerzvollen Erinnerungen zu vermeiden, indem Orte oder bestimmte Personen gemieden werden oder Gefühle nicht mehr oder abgeflacht empfunden werden. Dies kann isolieren und zum Verlust von emotionaler Nähe zu anderen führen. Gleichzeitig führt die andauernd wieder ausgelöste Angst zu einer chronischen körperlichen Übererregung, die sich in ständiger Wachsamkeit oder Misstrauen, Schreckhaftigkeit und Konzentrationsstörungen äußert.

  • Traumatisierte Menschen sind in ihrem sozialen und alltäglichen Funktionsvermögen oft deutlich reduziert, manchmal so stark, dass sie nicht mehr in der Lage sind, für sich und ihre Familien zu sorgen. Starke Schuld- und Wertlosigkeitsgefühle, Hoffnungslosigkeit, Sich-Aufgeben und Suizidalität sind nicht selten, ebenso wie begleitende andere körperliche und psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen). Patient*innen mit einer PTBS haben eine Schwäche in ihrem autobiographischen Gedächtnis d.h. sie haben Schwierigkeiten, ihre Angst in Bezug zu Zeit und Ort zu setzen, um sie klar einem bestimmten Lebensabschnitt zuzuordnen. So ist es für traumatisierte Personen häufig extrem schwierig, das Erlebte in einer detaillierten und zusammenhängenden Weise zu erzählen.

  • Durch therapeutische Begleitung kann das Erlebte noch einmal betrachtet und bearbeitet werden. Dabei können verschiedene Methoden zum Einsatz kommen (u.a. Verhaltenstherapie, Systemische Therapie, körper- und kunsttherapeutische Ansätze, tiefenpsychologische Verfahren, EMDR).  

Literaturempfehlungen

Auf der Seite der BAfF findet sich eine ausführliche Liste ausgewählter Fachliteratur zu den Themenfeldern Trauma und PTBS.

Ebenso stellt das Zentrum Überleben in Berlin eine Online Bibliothek zur Verfügung, in der sich ausgewählte Beiträge des Zentrums finden.

Zu dem Thema PTBS können sich hier Angehörige von traumatisierten Menschen und hier traumatisierte Menschen selbst informieren.